von Kwiboo am Freitag 3. Oktober 2008, 10:17
Regel Nummer 1: I had a blog before you had a blog
Ein Blog mit drei Einträgen sieht irgendwie blöd aus. Das bedeutet natürlich nicht, dass du dich als Neublogger mit dem Schreiben eigener Artikel, dem Finden eines eigenen Stils oder gar mit Experimenten mit dem Medium herumschlagen musst. Es bedeutet nur, dass du durch zurückdatierte Artikel so tun musst, als wärst du schon länger „dabei“.
Hierzu nutzt man die in den meisten Blog-Systemen integrierte Funktion zum Anpassen des Post-Datums und füllt sein Blog für einige vergangene Monate mit irgendwelchen Inhalten auf. Die wenigsten LeserInnen haben Zeit, im Archiv rückwärts zu blättern und so wird es kaum jemand bemerken, dass das im Eintrag „ROTFLMAO!!!!!!“ mit dem Satz „Das müsst ihr euch unbedingt reintun!“ verlinkte, unglaublich witzige Bild gar nicht exisitiert. Auch die Tatsache, dass die 24 Einträge von März bis Oktober 2004 aus Golem-, heise- und SpOn-Links bestehen, die sich mit dem Thema Windows-Viren beschäftigen, wird nicht weiter auffallen.
Wem das manuelle Auffüllen des eigenen Blogs zuviel Arbeit macht, der beginnt sein neues Online-Dasein schlicht mit dem folgenden Eintrag (bitte kopieren und einfügen):
„Nach fünf Jahren habe ich das Blogsystem und den Provider gewechselt, das alte System fiel einfach zu oft aus und hat mir am Ende meine gesamte Datenbank zerstört. Inklusive Kommentaren. Vielen Dank an Matthias und Rüdiger für die Hilfe, die leider nicht viel genützt hat und ein herzliches Fuck off! an [hier bitte irgendeinen Mega-Provider einsetzen, der zu beschäftigt ist, um sich mit deinen Beleidigungen auseinanderzusetzen]. Nun dann, fangen wir also komplett neu an.“
Regel Nummer 2: Die Blogroll zuerst!
Eine Blogroll, also Links zu anderen Blogs, ist das A und O für den Erfolg. Etwa die Hälfte der Blogs, auf die das eigene Blog per Blogroll verlinkt, werden auf dich zurücklinken. Aus schlechtem Gewissen, dass sie dich noch nicht kennen und aus Dank, dass du sie verlinkst. Es spielt dabei keine Rolle, ob du die von dir verlinkten Blogs tatsächlich liest oder überhaupt kennst. Kopiere dir einfach eine Mischung aus den Blogrolls anderer zusammen, je mehr Links, desto besser.
Regel Nummer 3: Kommentieren ist wichtiger als eigene Artikel
Die meisten Blogs verlinken den Namen eines Kommentators mit seinem eigenen Blog. Massig Platz für Eigenwerbung also. Hol’ dir bei blogcounter und blogstats die meistbesuchten Blogs und misch dich dort in aktuelle Diskussionen ein. Besonders erfolgreich sind hierbei aggressive und radikale Äußerungen sowie Beschimpfungen anderer Kommentatoren, denn jeder wird deinen Namen anklicken um nachzusehen, wer nun dieser Idiot wieder ist. Das bringt Traffic, der natürlich aufgefangen werden muss- deine aktuellsten eigenen Einträge müssen also auf den Ansturm vorbereitet sein. Falls es kein Thema gibt, von dem du wirklich Ahnung hast, benutze Kryptik, um dich interessant zu machen. Einträge mit dem Titel „Wittgenstein hatte Recht!“, deren Inhalt aus drei unzusammenhängenden lateinischen Worten besteht und auf eine japanische Website für Pediküre verweist sind ebenso geeignet wie Fotos, die man auf flickr unter dem Tag „strange“ gefunden und mit „Geschichte wird gemacht“ überschrieben hat
Regel Nummer 4: Sei mysteriös und gemein
Schreibe nur in Rätseln über dich selbst. Gib den Lesern das Gefühl, du könntest eine Frau sein. Einträge wie „Heute Abend in Hamburg: Bestimmte Schuhe fühlen sich für bestimmte Begegnungen falsch an“ bieten viel Platz für die Fantasie deiner zahlreichen Besucher, selbst wenn du vom Hobby-Kicken mit deinen Kumpels redest. Auch immer gut: Einträge wie „19.30h: Ich bin schon ganz aufgeregt!“ ohne weitere Hinweise.
Benutze bei nicht mysteriösen Einträgen vulgäre Sprache. Suche dir bekannte Opfer (immer gerne: SpOn-Journalisten, bekanntere Blogger, Soap-DarstellerInnen, der Papst), zitiere irgendeinen Text oder poste ein geklautes Foto von ihnen und gib ihnen in deinem Artikel Tiernamen. Sobald das Thema „Blogs“ in einem Medium auftaucht, das deine Eltern benutzen, muss Fäkalsprache zum Einsatz kommen. Handelt es sich um die Bild-Zeitung, muss zusätzlich „kotzen“ in deinem Artikel vorkommen.
Regel Nummer 5: Stelle technische Fragen
Besonders in Kombination mit dem ersten Absatz von Regel 4 erweisen sich technische Fragen als Publikumsmagnet. Blog-Leser sind hilfsbereit. Die Art der Frage ist relativ egal, beachte jedoch, dass nur Vokabeln aus der Open-Source-Bewegung auftauchen sollten. Die Stichworte PHP, MySQL, Apache und Linux sollten genügen. Beispiel: „Kann es sein, dass sich mein Apache nicht mit der PHP-Version verträgt, die ein Freund mir auf meinem Linux-Server eingerichtet hat? Oder liegt das eher an MySQL? Ich kenn’ mich damit nicht so aus…“. Immer wieder gut funktioniert auch das Bashing von Windows- oder Macintosh-Systemen (die Richtung ist ziemlich egal), für fortgeschrittenere und ganz mutige Neublogger empfehle ich das laute Sinnieren über die Chancenlosigkeit von Linux als Betriebssystem für den normalen Endverbraucher. Das bringt Hits, garantiert.
Regel Nummer 6: Fotos
Lesen ist langweilig und anstrengend. Nimm deine Handy-Kamera und fotografiere jedes weibliche Wesen, das deinen Weg kreuzt. Poste die Bilder mit kurzen Titeln wie „Melancholie Nummer 12″, „Danke, L.!“ oder „Wir waren Helden“, um nicht in den Verdacht zu kommen, du würdest die Bilder nicht aus künstlerischen Gründen veröffentlichen. Auch immer gut: Verwackelte Fotos aus irgendeiner Kneipe unter dem Titel „Bloggertreffen“, die ein soziales Umfeld suggerieren. Der entsprechende Text dazu sollte mit Alkohol, Sex oder Drogen zu tun haben. Am besten alles zusammen. Beispiele: „Wo waren eigentlich Markus und Heike nach 1 Uhr plötzlich (grins)?“ oder „Ich weiß nicht, ob missy69 schon wieder wach ist, aber ich bin es ja auch noch nicht (megagrins)“.
Regel Nummer 7: Services
Benutze jeden erdenklichen Blog-Service, den du bei anderen Blogs gesehen hast. Technorati, del.icio.us, flickr sind nur Einstiegspunkte, die man nicht verstehen, sondern nutzen muss. Es gibt noch viele mehr. Trag’ dich in jedes Blog-Directory ein, das du finden kannst. Melde dich bei jedem kostenlosen Blog-Service an, den es gibt und verweise im einzigen Artikel mit deiner derzeitigen URL darauf, dass dein Blog umgezogen ist.
Regel Nummer 8: Verlinke!
Die Blogosphäre ist ein Netzwerk aus Verweisen. Also verweise. Natürlich nicht auf x-beliebige Sites, nur weil sie dir gefallen, sondern auf Sites mit vielen Zugriffen. Denn in vielen Systemen taucht dein Verweis per Trackback in den Kommentaren oder an anderer Stelle des jeweiligen Blogs auf und schon ist wieder ein Link zu dir entstanden. Tu im begleitenden Text so, als würdest du die MacherInnen des verlinkten Blogs gut kennen. Nenne also nicht den Blognamen, sondern den Namen des Autors (steht oft unter dem Artikel oder im Impressum). „Felix“ statt „wirres“, „Jörg“ statt „Schockwellenreiter“ und so weiter. Trau’ dich, in deinem Kommentar zu diesen Blogs die komplette Gegenposition einzunehmen, denn dann besucht dich sogar der Original-Autor. Hierfür reicht meist der Link mit dem Hinweis „Spinnt er jetzt komplett?“, der deine regelmäßige Lektüre des jeweiligen Blogs vortäuscht.
Regel Nummer 9: Stöckchen
Mache jeden Scheiß mit. Jeden. Erfinde uninteressante Listen, die du selbst beantwortest und leite sie mit den Worten „Dieses Stöckchen wurde mir gerade zugeworfen“ ein. Leite die Liste (nur die Fragen) mit einem Link auf deine eigene Site an etwa 300 dir persönlich völlig unbekannte Blogger weiter (Achtung! Hier ausnahmsweise nicht die bekannteren Sites nehmen, sondern innerhalb der Blog-Service-Communities nach den meistbesuchten Blogs suchen!). Gute Ansätze für Listen sind „Dinge, die ich ganz unten in meinem Schrank gefunden habe“, „100 Worte, die ich noch nie getippt habe (außer jetzt gerade)“ und „10 Regeln für erfolgreiches Bloggen“.
Regel Nummer 10: Misch dich ein
Die vieldiskutierten Themen sind recht leicht zu finden, eine Handvoll RSS-Feeds reichen zur Recherche völlig aus. Schreibe einen eigenen Artikel zum Thema, sobald auch nur drei verschiedene andere Blogs es auch verfolgen. Es spielt dabei keine Rolle, ob dich das Thema interessiert oder ob du dazu etwas zu sagen hast, es genügt, aus den anderen Blogs zu zitieren und mit der Frage „Wie seht ihr die Sache?“ abzuschließen.
Bei Beachtung dieser 10 Regeln solltest du innerhalb weniger Wochen ein erfolgreiches, vielbesuchtes Blog haben. Vorsichtshalber solltest du dir vor dem Start jedoch ein Pseudonym zulegen. Falls es doch nicht klappt.